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► 11. September 2016

Tipps für die Nacht- und Sternenfotografie

Jede Nacht funkeln Millionen Sterne am Himmel – doch nur selten nehmen wir uns Zeit, sie bewusst zu betrachten. Dabei erweisen sich Sterne als atemberaubende Fotomotive. In diesem Beitrag möchte ich Euch einige Tipps geben, wie ihr den Sternenhimmel fotografieren könnt.

Ausrüstung
Die Digitalkamera, die du verwenden möchtest, muss über eine Langzeitbelichtungsfunktion verfügen. Bei Spiegelreflexkameras oder höherwertigen Bridge- bzw. Superzoomkameras, lässt sich die Belichtungszeit im manuellen Modus festlegen. Achte einfach darauf, wie viele Sekunden du im manuellen Modus einstellen kannst. Meistens sind Belichtungszeiten bis 30 Sekunden möglich, das ist für den Einstieg ausreichend. Neben einer Kamera ist ein stabiles Stativ unerlässlich. Warme Kleidung und eine Taschenlampe sind ebenfalls sinnvoll und etwas zum Essen und Trinken schadet auch nicht. Achte auch darauf, ausreichend Batterien für die Kamera mitzunehmen. Trage diese am besten bis kurz vor dem Einsatz am Körper, die Wärme schützt vor vorzeitiger Entladung.

Vorbereitung
Wenn die Nacht klar und die Wettervorhersage gut ist, kann es losgehen. Vollmondnächte sind weniger gut geeignet, weil der Mond dann die Sterne überstrahlt. Dann gilt es einen dunklen Ort zu finden, möglichst weit weg von Städten. Die besten Resultate werden nämlich erzielt, wenn möglichst wenig Restlicht vorhanden ist. Was für unser Auge schon dunkel bedeutet, ist für den Kamerasensor ein wahres Lichtermeer. Straßenbeleuchtung und andere Lichtquellen strahlen bis in den Himmel und überdecken schwache Sterne, die dann auf dem Foto nicht zu erkennen sind. Wenn ihr euch damit beschäftigt, werdet ihr schnell verstehen, warum immer häufiger das Thema „Lichtverschmutzung“ diskutiert wird.

In der Dunkelheit angekommen, braucht das Auge etwas Zeit, um sich an die Lichtverhältnisse zu gewöhnen. In einer guten Nacht kann man bereits mit bloßem Auge die Sternenpracht erblicken. Besonders in Bergregionen (auch bei uns im Schwarzwald) verschlägt einem der Anblick manchmal fast die Sprache. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel mehr Sterne man in abgelegenen Regionen erkennen kann.

Milchstrasse über den Weinbergen



Kamerasetup
Dann geht‘s los mit der Vorbereitung: Stativ aufbauen, Kamera platzieren und kurz orientieren. Je nachdem, in welche Richtung man fotografiert, beeinflusst das die Form der Sternspuren. Der Polarstern steht im Norden als einziger Stern fix am Himmel. Dem entsprechend erhält man in Blickrichtung Norden zunehmend kreisförmige Bahnen, in Richtung Süden bleiben die Sternspuren eher gerade. Wer in den Himmel blickt, sieht aber erstmal keine Sternspuren, sondern nur unendlich viele Lichtpunkte. Aufgrund der Erdbewegung kann man mit einer ausreichend langen Belichtungszeit die Sternbewegung im Bild festhalten. Dazu sind jedoch lange Belichtungszeiten notwendig. Je länger die Belichtungszeit, desto länger werden die Sternspuren.

Brennweite, Bildstabilisator und ISO-Wert
Zudem spielt die verwendete Brennweite eine entscheidende Rolle: Bei Weitwinkelaufnahmen sind selbst bei langen Belichtungszeiten noch keine Sternspuren zu sehen, mit einem Teleobjektiv hingegen schon. Trotzdem ist das Weitwinkelobjektiv die bessere Wahl, man bekommt mehr Himmel aufs Bild und scharfe Fotos gelingen viel leichter.

Falls eure Kamera einen Bildstabilisator besitzt, dann sollte dieser deaktiviert werden. Bei Langzeitbelichtungen führt der Verwacklungsschutz nämlich zum gegenteiligen Effekt. Die Kamera versucht hier ständig vermeintliche Bewegungen zu kompensieren und erzeugt dadurch Unschärfe.

Mit dem ISO-Wert wird die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors gesteuert. Je weniger Licht, desto höher sollte also der Wert sein. Leider ist es bei vielen einfachen Digitalkameras so, dass bei hoher ISO-Einstellung die Bilder stark verrauscht sind. Hier muss man selbst herausfinden, welcher ISO-Wert noch brauchbar ist. Bei den meisten modernen Spiegelreflexkameras liefern ISO-Werte bis 1600 noch gute Ergebnisse.

Wird länger als 30 Sekunden belichtet, macht sich die Erdrotation bemerkbar und die Sterne werden nicht mehr punktförmig sondern als Strichspuren abgebildet.

Rheinebene bei Nacht



Sterne fotografieren mit Langzeitbelichtung
Spiegelreflexkameras und die meisten höherwertigen Kompaktkameras erlauben im manuellen Modus eine Belichtungsdauer von maximal 30 Sekunden. Das ist bei ISO 400 und mehr normalerweise schon ausreichend. Wird länger als 30 Sekunden belichtet, macht sich die Erdrotation bemerkbar und die Sterne werden nicht mehr punktförmig sondern als Strichspuren abgebildet. Wenn die Kamera in Richtung Polarstern justiert wird, der sozusagen der Mittelpunkt der kreisrunden Drehbewegung unseres Sternenhimmels ist, dann entstehen besonders reizvolle Bilder.

Milchstraße
Möchte man die Milchstraße ablichten, sollte man sich vorher informieren, wann und wo die Milchstraße sichtbar ist. Im Internet gibt es dazu verschiedene Infoseiten. Die besten Monate für Milchstraßenfotos sind Mai bis August, da die kosmischen Nebel der Milchstraße dann weit oben am Himmel stehen und sich in ihrer ganzen Farbenpracht zeigen. Mein Tipp: Eine Astro-App auf dem Handy hilft die Position von Milchstraße und Polarstern zu bestimmen.

Schwierigkeiten
Ein kniffeliges Problem bei Nachtaufnahmen ist das Scharfstellen! Hier empfehle ich euch, noch bei Tageslicht scharf zu stellen. Dafür muss auf manuelle Fokussierung umgeschaltet werden, dann auf unendlich fokussieren und anschließend nichts mehr verändern. Bei Wechselobjektiven an Spiegelreflexkameras ist die Unendlicheinstellung meistens mit einem „∞“–Symbol gekennzeichnet. Oftmals muss man aber für eine optimale Schärfe den Einstellring nochmal 1-2 mm zurückdrehen. Eine andere Vorgehensweise ist die Nutzung des Live-View auf dem Display. Die meisten Kameras bieten eine Vergrößerungslupe zur Scharfstellung, damit kann sogar in der Dunkelheit auf einen hellen Stern scharfgestellt werden.

Ein weiteres Problem ist die Akkulaufzeit. Die langen Belichtungszeiten saugen den Akku relativ schnell leer. Als Gegenmaßnahme gibt es mehrere Ansätze. Die einfachste Variante: abschalten was geht – also Autofokus, Stabilisator, Display, Tastenbeleuchtung, Töne, Vorschau, usw. deaktivieren. Das ergibt schon mal längere Akkulaufzeiten, aber trotzdem ist nach einigen Stunden Schluss. Die bessere Lösung ist deshalb ein externer Akku. Falls die Kamera keinen Anschluss für eine externe Spannungsquelle besitzt, dann hilft ein wenig Bastelarbeit: einen alten Akku „aushöhlen“ und von innen Kabel an die Kontakte löten. Der modifizierte Akku wird dann wie üblich in das Batteriefach der Kamera eingelegt, die Kabel heraus geführt und außen wird ein externer Akku angeschlossen (z.B. aus dem Modellbau). Ausreichend Kapazität (mAh) vorausgesetzt, sind damit Fotoserien über Stunden oder sogar Tage möglich.

Sommernacht bei Ettenheim



Sternspuren-Fotos am PC erstellen
Für Fotos mit Sternspuren gibt es noch eine alternative Methode: dabei wird nicht nur ein Foto mit 60 Minuten Belichtungszeit gemacht, sondern viele Fotos mit beispielweise je 30 Sekunden Belichtungsdauer. Anschließend werden die Einzelfotos dann mit einer speziellen Software am Computer zu einem Bild zusamengefügt. Zur Aufnahme der Einzelbilder muss die Kamera über einen Intervallmodus verfügen. Im Intervallmodus wird eingestellt in welchen Zeitabständen automatisch ein Foto aufgenommen werden soll, dann wird einmal ausgelöst und die Kamera erstellt selbstständig eine Reihe von Aufnahmen. Wie viele Fotos man benötigt, ist ein wenig Geschmackssache (je mehr Fotos, desto länger die Sternspuren. Für das Zusammenfügen am PC gibt es die kostenlose Software „Startrails“. Der Vorteil dieser Methode ist die hohe Flexibilität, man kann später entscheiden, welche bzw. wie viele Fotos aus der Aufnahmeserie man tatsächlich nutzt, d.h. man hat im nachhinein noch Einfluss auf die Bildgestaltung bzw. die Länge der Strichspuren.

Aus den Einzelbildern können übrigens auch tolle Zeitraffervideos erstellt werden. Gebt mal auf Youtube „Timelapse“ ein und staunt, was machbar ist. Für solche Zeitraffervideos benötigt man aber deutlich mehr Einzelfotos: pro Sekunde 25 Bilder, d.h. 250 Bilder für ein 10 Sekunden langes Video. Erstellt werden kann ein solches Zeitraffervideo übrigens auch mit der „Startrails“-Software.

Die Kamera richtig einstellen




Rheinebene bei Nacht



 

Tipps für die Nacht- und Sternenfotografie

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Ich bin Hobby-Fotograf mit Schwerpunkt auf den Regionen Schwarzwald, Ortenau und Oberrhein.

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